Die Geschichte des namengebenden Ortes Nassau verlief jedoch in weitaus bescheideneren Bahnen. 1348 bekam Nassau die Stadtrechte verliehen. Im Schloß von Nassau wurde 1757 der größte Sohn der Stadt geboren, der Reichsfreiherr Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein. Als Wirtschafts- und Finanzminister setzte er sich für die Bauernbefreiung ein, manifestierte Städteordnungen und noch heute geht der gültige Aufbau der Staatsverwaltung auf seine Initiativen zurück. Er leitete als Berater das preußisch-russische Bündnis gegen Napoleon. Im Jahr 1945 wurde die Stadt zu 70% zerstört. Häuser und Bebauung wurden in Schutt und Asche gelegt. Der Wiederaufbau der stark zerstörten Ortsmitte erfolgte planmäßig, Struktur und Maßstab bewahrend. Es ist allerdings angebracht den Begriff "Nassauer" bzw. von "nassauern" zu erklären, da dieser Begriff aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt und heute in einer mißlichen Weise verstanden wird. Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon wurde Europa auf dem Wiener Kongreß neu geordnet, d.h. es gab 35 deutsche Kleinstaaten, darunter Nassau. Das Herzogtum Nassau hatte allerdings keine eigene Landesuniverstität. Also mussten nassauische Gymnasialabsolventen zum studieren ins "Ausland". Um nicht landesverräterisch im Ausland zu studieren, schloß der Herzog Wilhem von Nassau einen Staatsvertrag mit dem Königreich Hannover ab, wonach die Königliche Hannoversche Universität zu Göttingen zur Nassauischen Landesuniversität wurde. Landesvater Herzog Wilhelm wollte als Anreiz zur Aufnahme des Studiums im doch immerhin 300 Kilometer entfernten Göttingen seinen Studenten Stipendien in Form eines "Freitisches" gewähren. Das war ein Freitisch bei einem Göttinger Wirt, bei dem die Stipendiaten umsonst essen und nächtigten konnten. Blieb ein Nassauer Student dem Freitisch fern, fand sich schnell ein fremder, unbefugter, der sich als Nassauer ausgab und das Mahl einnahm. Auf diese Weise entstanden hier die studentischen Ausdrücke "nassauern" und "Nassauer". Diese Scheltwörter sind also lediglich auf die ungebetenen Gäste zu beziehen, die auf Kosten und anstelle anderer - der Nassauer - gegessen und getrunken haben. Fazit: Nassauer waren (und sind!) keine "Nassauer"!